Ein plötzlich gelblicher Hautton, starker Juckreiz und etwas Müdigkeit – mehr Beschwerden hatte Ulrich Kaupmann nicht. Der 66-jährige Hiller war ehrenamtlich aktiv, ging regelmäßig schwimmen, verbrachte Zeit mit seiner Familie und war seit Jahrzehnten nicht im Krankenhaus. Dass hinter den zunächst unscheinbaren Symptomen im März 2026 eine schwere Krebserkrankung steckte, ahnte er nicht.
Heute, einige Monate später, gilt der pensionierte Polizeibeamte als krebsfrei. „Das war natürlich ein Schock. Man denkt ja nicht an Krebs, wenn man sich eigentlich fit fühlt“, erzählt Ulrich Kaupmann. Der Weg zur Diagnose begann im Krankenhaus Lübbecke. Dort wurde der 66-Jährige nach der Gelbverfärbung seiner Haut in der Gastroenterologie umfassend untersucht. Bildgebende Verfahren und weitere Diagnostik zeigten schnell, dass etwas Ernstes hinter den Beschwerden stecken musste. „Wir haben sofort erkannt, dass eine spezialisierte Weiterbehandlung notwendig ist. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Minden konnten wir ohne Zeitverlust handeln“, erläutert Dr. Bernd Wejda, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und interventionelle Endoskopie am Krankenhaus Lübbecke.
Noch am gleichen Tag wurde der Patient ins Universitätsklinikum Minden verlegt. Nach zwei Tagen erhielt Ulrich Kaupmann die Diagnose: Leberkrebs. „Plötzlich steht alles still, es reißt einem den Boden unter den Füßen weg“, erinnert sich der Familienvater. Besonders schwer traf die Diagnose auch seine Familie. „Das war die schwierigste Zeit unseres Lebens, und sehr belastend für uns alle“, sagt seine Frau Birgit Kaupmann. Ein fünf Zentimeter großer Tumor hatte sich im Bereich der Leberpforte gebildet, also dort, wo wichtige Gefäße und Gallengänge verlaufen. Eine besonders komplizierte Stelle. Das Überraschende: Außer Gelbfärbung, Juckreiz und Müdigkeit hatte Ulrich Kaupmann kaum Beschwerden.
Symptome treten oft erst spät auf
Leberkrebs bleibt häufig lange unentdeckt. Symptome treten oft erst spät auf. Dazu gehören unter anderem Müdigkeit, Gewichtsverlust, Oberbauchbeschwerden oder Gelbsucht. Besonders häufig betroffen sind Menschen mit vorgeschädigter Leber – etwa durch Leberzirrhose oder chronische Entzündungen. Doch auch Menschen ohne bekannte Vorerkrankungen kann es treffen – so wie Ulrich Kaupmann. In Deutschland erkranken jährlich etwa 10.000 Menschen an primärem Leberkrebs. Männer sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
„Bei unserem Patienten aus Hille war die frühe Entdeckung ein großer Vorteil. Der Tumor konnte operativ vollständig entfernt werden“, erklärt Professor Dr. Sven Arke Lang, stellvertretender Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral-, Thorax- und Endokrine Chirurgie am Universitätsklinikum Minden. Der stellvertretende Klinikdirektor lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in Lübbecke: „Die häuserübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert großartig – Herr Dr. Wejda hat sehr schnell und vorausschauend gehandelt. Unsere Patienten profitieren von dieser engen Verzahnung und können ohne Zeitverlust spezialisiert weiterbehandelt werden.“
Ende März folgte die entscheidende Operation im Universitätsklinikum Minden. Rund acht Stunden dauerte der Eingriff. Der Tumor wurde entfernt, ebenso die Gallenblase. Außerdem mussten etwa 50 Prozent der Leber entnommen werden.
Solche sogenannten Leberresektionen gehören zu den anspruchsvollsten Eingriffen in der Viszeralchirurgie und werden nur in spezialisierten Zentren durchgeführt. Gerade Tumoren im Bereich der Leberpforte gelten als operativ besonders komplex. Professor Lang erläutert: „Die Operation war technisch sehr herausfordernd, aber insgesamt gut beherrschbar.“ Onkologischer Schwerpunkt: Mit dem Cancer Center Minden (CCM) verfügt das Universitätsklinikum Minden über ein starkes Onkologisches Zentrum, das von der Deutschen Krebsgesellschaft 2024 zertifiziert wurde.
„Die verbleibende Leber vergrößert sich und kann die notwendigen Aufgaben vor allem funktionell übernehmen.“
Dass die Hälfte der Leber entfernt wurde, klingt dramatischer, als es medizinisch häufig ist. Denn die Leber besitzt eine außergewöhnliche Fähigkeit der Anpassung und Regeneration. Das verbleibende Gewebe übernimmt die Aufgaben des entfernten Anteils. „Was entfernt wurde, wächst zwar nicht eins-zu-eins nach. Aber die verbleibende Leber vergrößert sich und kann die notwendigen Aufgaben vor allem funktionell übernehmen“, erklärt der Mindener Chirurg. Der funktionelle Aspekt ist dabei besonders wichtig, da die Leberfunktion im Gegensatz zu den meisten anderen Organen nicht dauerhaft maschinell ersetzt werden kann.
Die Wochen nach der Diagnose und die Operation zehrten an den Kräften von Ulrich Kaupmann. Rund 15 Kilogramm verlor er während der Erkrankung und Behandlung. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die jedoch die Unterstützung im Krankenhaus. „Wir wurden sehr ausführlich und verständlich aufgeklärt, alle haben sich viel Zeit für uns genommen“, erzählt Ulrich Kaupmann. Seine Frau fügt hinzu: „Ärzte, Pflegekräfte, Reinigungspersonal – wirklich alle waren sehr freundlich und aufmerksam. Wir haben großen Respekt vor den Menschen, die hier arbeiten.“

Heute gilt der Hiller als krebsfrei. Vorsorglich erhält er noch eine unterstützende Chemotherapie über sechs Monate – eine weitere körperliche und mentale Herausforderung mit dem Ziel, das Rückfallrisiko weiter zu senken. Langsam kehrt aber auch wieder ein bisschen Alltag ein. Der ehemalige Polizeibeamte freut sich darauf, wieder schwimmen zu gehen, Urlaub zu machen und vor allem Zeit mit seinem Enkel zu verbringen. „Ich bin sehr dankbar, dass ich wieder solche Pläne machen kann“, betont Ulrich Kaupmann.