Prothese schenkt Uwe Weber neue Lebensqualität

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Marlena Kahl, Auszubildende, gemeinsam mit dem Ausbildungsleiter der Technischen Orthopädie Oliver Knudsen. Foto: Irma Mujanovic/MKK

Ein schwerer Motorradunfall im Jahr 2007 veränderte das Leben von Uwe Weber (67) von einem Moment auf den anderen. Bei dem Unfall wurde sein Fuß so schwer verletzt, dass er schließlich amputiert werden musste. 

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Die ersten Jahre waren besonders belastend für den Löhner. Sowohl physisch als auch psychisch. Bis heute kämpft Uwe Weber mit Phantomschmerzen, spürt seinen fehlenden Fuß immer noch. Doch seinen Lebensmut hat er nicht verloren. Dank einer Prothese kann er auch wieder aktiv sein, Golf spielen und hat vor allem wieder ein großes Stück Lebensqualität zurückbekommen.

Nach dem Unfall musste Uwe Weber insgesamt viermal operiert werden. Der Fuß war vollständig abgerissen, das Handgelenk ebenfalls schwer verletzt. Die körperlichen Folgen belasteten ihn über viele Jahre. „Ich war mit Schmerzmitteln vollgepumpt und habe eigentlich nur geschlafen“, erinnert sich der Rentner. Ein normaler Alltag war die ersten Jahre gar nicht möglich. 

Im Laufe der Jahre wurde immer mehr vom Unterschenkel entfernt. Die Schmerzmittel konnte Weber langsam ausschleichen lassen – die Phantomschmerzen sind aber geblieben. „Ich habe alles ausprobiert, autogenes Training, Hypnose und was es alles gibt. Leider hat nichts geholfen. Ich durchlebe den Unfall mehrmals die Woche wieder, spüre richtig, wie mir der Fuß abgerissen wird“, erzählt Uwe Weber.

Trotz all der Belastungen und Herausforderungen hat der heute 67-Jährige nie aufgeben. Schon früh suchte er nach Wegen, aktiv zu bleiben. Früher begeisterte er sich für Fußball, Volleyball und andere Sportarten. Nach dem Unfall entdeckte er den Golfsport für sich. Seit 2009 steht er regelmäßig auf dem Golfplatz. „Der Sport gibt mir unglaublich viel zurück“, sagt Weber. Den entscheidenden Schritt nach vorne brachte eine neue Prothese, die der Löhner vor Kurzem bekommen hat. „Es fühlt sich wie eine neue Zeitrechnung an“, sagt er.

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Nach dem Unfall entdeckte Uwe Weber den Golfsport für sich. Seit 2009 steht er regelmäßig auf dem Golfplatz. Foto: Oliver Knudsen

Die Prothese wurde in der Technischen Orthopädie der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen angefertigt. Sie verfügt über ein innovatives, verstellbares Schaftsystem. Dieses ermöglicht eine flexible Anpassung an Veränderungen des Stumpfvolumens und sorgt für deutlich mehr Komfort und Halt im Alltag. Denn im Laufe des Tages verliert der Stumpf des Rentners bis zu zwei Zentimeter an Volumen, herkömmliche Prothesen stoßen dann an ihre Grenzen, weil sie nicht mehr passend sitzen.

Und sie hat die spezielle Prothese angefertigt: Marlena Kahl. Die 21-Jährige macht gerade eine Ausbildung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin in der Technischen Orthopädie. Die Prothese des Löhner Patienten ist ihr Gesellenstück gewesen. Die handwerklich anspruchsvolle Versorgung erforderte höchste Präzision und technisches Verständnis. 

„Die Arbeit war sehr komplex und ich bin extrem zufrieden mit dem Ergebnis. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als zu sehen, wie jemand durch unsere Arbeit wieder sicher gehen, Sport treiben oder seinen Alltag selbstständig bewältigen kann“, sagt Marlena Kahl. Der Beruf der Orthopädietechnik-Mechanikerin ist für die Auszubildende ein ganz besonderer Beruf, ein Job, der etwas verändert. „Jeder Patient ist anders. Jede Versorgung ist individuell. Genau diese Mischung aus Kreativität, Präzision und Verantwortung macht den Beruf so spannend.“

Dass es die Ausbildung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin gibt, ist nicht vielen bekannt. Marlena Kahl hat sich aber immer schon für Sport, Handwerk und Technik begeistert. Vor allem die Paralympics haben es ihr angetan, „welche sportlichen Höchstleistungen dank der Hilfsmittel möglich sind, ist total beeindruckend. Ich wollte deshalb auch unbedingt so etwas Erlernen. Mit meinen Händen etwas erschaffen, dass anderen Menschen hilft“. Die Auszubildende erhielt für ihr Gesellenstück Bestnoten – die Arbeit wurde mit der Note 1 bewertet und erreichte 100 Prozent der möglichen Punktzahl.

„Diese Leistung macht uns sehr stolz. Wir geben wirklich alles, damit unsere Nachwuchskräfte bestmöglich ausgebildet werden. Solche Prothesen können nur ganz wenige Werkstätten herstellen, wir verfügen hier wirklich über eine starke Expertise“, sagt Oliver Knudsen, Werkstattleiter und Ausbildungsleiter in der Technischen Orthopädie.

Die Ausbildung in der Technischen Orthopädie überzeugt durch hohe Qualität: Regelmäßig belegen die angehenden Orthopädietechnik-Mechaniker die ersten Plätze bei der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk“, gehören damit zum besten Handwerksnachwuchs in Nordrhein-Westfalen. „Wir Auszubildenden werden hier wirklich extrem gut betreut und angelernt. Dass ich so eine gute Prüfung abgelegt habe, ist auch der Verdienst des Teams hier, ich wurde – vor allem von Herrn Oliver Knudsen – bestens darauf vorbereitet“, sagt Marlena Kahl.

Für Uwe Weber ist die neue Prothese weit mehr als nur ein technisches Hilfsmittel. Sie schenkt ihm Sicherheit, Bewegungsfreiheit und neue Möglichkeiten. Vor allem, dass er sie überall und jederzeit verstellen kann, erleichtert ihm den Alltag ungemein. „Ich kann die Prothese sogar durch die Hose anpassen, vorher musste ich immer mehrere Strümpfe mit mir tragen, damit ich den Volumenverlust ausgleichen kann. Aber ich ziehe ja nicht mitten im Restaurant meine Prothese aus und die Strümpfe an. Jetzt ist alles viel einfacher für mich.“

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Dank der neuen Prothese absolviert der Löhner beim Golfen komplette 18-Loch-Runden. Das bedeutet mehrere Stunden Bewegung an der frischen Luft und je nach Platz rund acht bis zehn Kilometer Fußweg. Foto: Oliver Knudsen

Der Löhner möchte unbedingt weiterhin aktiv bleiben, das macht sein Leben für ihn lebenswert. Dank der neuen Prothese absolviert er beim Golfen komplette 18-Loch-Runden. Das bedeutet mehrere Stunden Bewegung an der frischen Luft und je nach Platz rund acht bis zehn Kilometer Fußweg. „Das ist einfach nur großartig, dass so etwas möglich ist. Die Prothese ermöglicht mir ein weitestgehend normales Leben, dafür bin ich sehr dankbar“, so Weber.

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