Axel Petermann hat über Jahrzehnte schwerste Gewaltverbrechen untersucht und gilt als einer der bekanntesten Profiler Deutschlands. Im zweiten Teil unseres Gesprächs erfahrt ihr, was der Kriminalspezialist, der am 28. April im Kulturzentrum BÜZ zu Gast sein wird, aus seiner Arbeit gelernt hat – und wie er mit der emotionalen Belastung umgeht. FLZ
ABOUT Minden: Herr Petermann, gibt es etwas, das Sie in all den Jahren über menschliches Verhalten gelernt haben, das Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn nicht für möglich gehalten hätten?
Axel Petermann: Dass Gewalt selten aus dem Nichts entsteht. Es sind oft Entwicklungen über längere Zeit. Mein Blick ist differenzierter geworden – weniger schnell urteilend, dafür genauer hinschauend.
ABOUT Minden: Wie nähert man sich denn psychologisch einer Gewalttat, ohne sie zu rechtfertigen oder zu verharmlosen?
Axel Petermann: Indem man klar trennt: Verstehen heißt nicht entschuldigen. Es geht darum, Zusammenhänge zu erkennen. Nur so kann man auch Ansätze finden, um Gewalt zu verhindern.
„Einfache Erklärungen beruhigen – treffen aber selten die Realität.“
ABOUT Minden: Würden Sie sagen, dass „einfache“ Täterprofile und schnelle Schuldzuweisungen oft zu kurz greifen?
Axel Petermann: Ja. Hinter einer Tat stehen meist mehrere Faktoren. Schnelle Schuldzuweisungen wirken zwar plausibel, werden der Komplexität aber selten gerecht.
ABOUT Minden: Welche Rolle spielen Biografie und frühe Prägungen bei der Täterermittlung?

Axel Petermann: Eine wichtige, aber keine alleinige. Erfahrungen und Prägungen können Einfluss haben, erklären aber nie alles.
ABOUT Minden: Und wie gehen Sie mit der emotionalen Belastung um, die mit der Analyse extremer Gewalttaten einhergeht?
Axel Petermann: Man entwickelt eine professionelle Distanz. Gleichzeitig darf man die Empathie nicht verlieren – sie ist notwendig, um zu verstehen.
Der letzte Teil unseres Gesprächs mit Axel Petermann erscheint am 24. April hier auf www.about-minden.de. Lest, warum „True Crime“ im Trend ist – und was euch bei der Lesung am 28. April im BÜZ erwarten wird. Tickets bekommt ihr übrigens unter www.ticket-regional.de/events_info.php?eventID=252832.