„Dem ersten Anschein nach…“

Foto: Anatol Kotte

In dem preisgekrönten Monolog „Prima Facie“ von Suzie Miller geht es um Tessa, eine Strafrechtsanwältin, für die die juristische Wahrheit über allem steht – am 27. März zu sehen im Mindener Stadttheater.

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„Ich habe seit Wochen keinen Fall verloren.“ – Tessa ist auf ihrem Höhenflug. „Wenn die Geschichte Lücken hat, dann weise darauf hin“, Gefühle und Moral spielen im Gerichtssaal keine Rolle. Egal, ob bei Drogenmissbrauch oder Sexualverbrechen, es geht um die juristische Wahrheit und die Unschuldsvermutung. Davon ist Tessa überzeugt, bis zu dem Tag, an dem sie selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs wird. Obwohl sie die Hindernisse des Systems genau kennt, erstattet sie Anzeige. Sie wird zur Verteidigerin ihrer selbst. Der plötzliche Seitenwechsel stellt ihr Vertrauen in das Rechtssystem auf eine harte Probe.

„Dieses Stück ist ein Statement. Es bringt das Dilemma missbrauchter Frauen klug auf den Punkt. Nach diesem Abend ist klar, warum die Dunkelziffer bei Sexualdelikten so hoch ist, warum so viele Übergriffe nie zur Anzeige kommen. Weil das, was danach kommt, für viele Opfer nicht aushaltbar ist. Es ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit im System, für die Veränderung“, urteilt „Die Deutsche Bühne“. Prima facie – juristischer Terminus für „Anscheinsbeweis“, „Bis auf Widerruf“, „Dem ersten Anschein nach“.

Los geht es um 19 Uhr.

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