Interview: Brinja Weiglein nimmt an extrem langen Wanderungen teil
Von Carsten Korfesmeyer
Als Kolumnistin von News – Das Magazin schreibt Brinja Weiglein monatlich über Gesundheits- und Fitnesstipps. Als hauptberufliche Gesundheitsberaterin und Personalcoach verbringt die 48-Jährige wöchentlich nahezu 40 Stunden mit Sport und ist auf ihrem Gebiet vielseitig unterwegs. Was nicht so bekannt ist: Die Obernkirchenerin geht gerne wandern – und zwar auf extreme Distanz. Donnerstag vor Pfingsten nimmt sie beispielsweise am „Heidi 222 – Marsch“, einer Extremwanderung teil, der von Celle bis vor die Tore Hamburgs führt. Unvorstellbare 222 Kilometer will Brinja Weiglein zurücklegen. „Unter 50 Stunden“, sagt sie im Interview. Schlafen will sie unterwegs nicht und es warten zwei Nächte, die durchgemacht werden müssen. An was denkt man bei einer derart langen Wanderung? Was motiviert einen dazu? Und wie fühlt man sich, wenn die Ziellinie überschritten ist. Sie hat es erzählt.
Brinja, 222 Kilometer zu Fuß und das in einem Rutsch – so was klingt schon verrückt. Wie kommt man auf die Idee, sich das anzutun?
Um es gleich zu sagen: Gesund ist das nicht unbedingt. Deshalb sollten auch nur Menschen teilnehmen, die sich gut darauf vorbereitet haben. Dass ich als Gesundheitsberaterin dabei mitmache, ist deshalb vielleicht auch etwas irritierend. Aber mir gibt das unglaublich viel.
Was denn zum Beispiel?
Die Bestätigung, dass ich solche Strecken erfolgreich schaffe.
Du sagst, als du das erste Mal bei einem Wandermarathon von einer 70-Kilometer-Wanderung gehört hattest, dachtest du nur: Um Gottes willen.
Das ging mir damals tatsächlich durch den Kopf. 2016 war das. Ich fand das einfach irre, eine solch extreme Distanz zurückzulegen.
Und jetzt willst du sogar etwas mehr als das Dreifache zurücklegen.
Ich habe mich gesteigert. Ich nehme auch am Mega-Marsch Weserbergland teil, der 100 Kilometer lang ist. Ich suche immer eine Herausforderung und es gibt sogar Extremwanderevents, die weitaus noch länger sind. Ich hörte von einem, der ist sogar 340 Kilometer lang.
Es hat ja schon etwas von Extremsport. Ist es vielleicht auch eine Sucht, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen?
Sucht? Nein, so würde ich das nicht bezeichnen. Ich versuche einfach nur eine neue, längere Distanz zu schaffen. Vielleicht ist es aber so, dass ich mir was beweisen muss.

An was denkst du unterwegs?
Ich habe immer das Ziel im Kopf und wenn mir dann irgendwann die Füße wehtun und ich Blasen bekomme, sage ich mir immer, dass ein Aufgeben für mich nicht in Betracht kommt. Irgendwie sehe ich mich die ganze Zeit ins Ziel laufen. Das ist ein Bild, das ich ständig vor Augen habe und das mich zusätzlich motiviert.
Sonst denkst du an nichts anderes?
Natürlich denkt man auch manchmal über das eigene Leben nach. Mir sind auch schon Ideen für neue Kurse oder Projekte gekommen. Es sind so unglaublich viele Gedanken, die in dieser Zeit um einen kreisen. Aber man ist unterwegs nicht nur allein. Letztes Jahr hatte ich einen Pfarrer auf dem Kölnpfad mit 171 km kennengelernt, der mit mir die Strecke zurücklegte. Das waren total gute Gespräche und wir sind seither in gutem Kontakt.
Zieht man sich gegenseitig mit?
Es ist schon wichtig, dass man das gleiche Tempo geht.
Die ganze Zeit?
Manche brauchen zwischendurch mal eine Pause. Ich habe mir aber vorgenommen, beim Heidschnucken-Marsch ohne intensive Zwischenstopps zu bleiben. Ich glaube, wenn ich eine längere Pause einlegen würde, wäre das körperlich härter für mich und unter 50 Stunden bliebe ich wohl nicht.
Bei der 222-Kilometer-Strecke machst du gleich zwei Nächte durch.
Und davor habe ich ehrlich gesagt schon Bammel. Doch es geht ja an einem Donnerstagabend los und ich laufe dann auch gleich in die erste Nacht hinein. Das ist vielleicht ein Vorteil. Zwei Nächte – das hatte ich in der Tat so noch nicht. Es ist eine mentale Erfahrung und ich bin echt gespannt darauf, wie ich das so wegstecke.
Wer kümmert sich denn um euch, falls unterwegs was passiert?
Meistens ist ja immer jemand der anderen Wanderer in der Nähe und die Veranstalter fahren die Strecke natürlich auch regelmäßig ab. Dieses Mal habe ich vorsichtshalber persönlichen Support dabei. Aber es ist schon eine lange Distanz. Wir tragen aber auch Tracker, sodass man uns jederzeit orten könnte. Ich denke, da ist schon für ausreichend Sicherheit gesorgt.
Wie groß ist eigentlich die Verlockung, zwischendurch in einen Bus zu steigen? An Haltestellen kommt ihr doch sicherlich mal vorbei.
Sich also einen Teil der Strecke fahren lassen? Nein, das kommt für mich überhaupt nicht infrage. Für mich wäre das nur Selbstbetrug.
Würde das beim Veranstalter auffallen?
Es geht bei diesen Märschen nicht zwingend um die Zeit, sondern vielmehr darum, es ins Ziel zu schaffen. Deshalb läuft alles schon auf der Vertrauensbasis. Aber sicher kommt es mal vor, dass Teilnehmer nicht ganz regelkonform dabei sind. Mir ist das schon mal passiert, dass ich jemanden überholte und ihn einige Kilometer später wieder vor mir hatte. Das ist dann schon – sagen wir mal – seltsam.
Wie ist es, wenn du letztlich das Ziel erreicht hast?
Das ist natürlich ein Glücksgefühl, aber ich spüre es dann natürlich auch körperlich. Wenn man so lange ununterbrochen unterwegs ist, tut einem schon einiges weh. Und es ist auch nicht so, dass der Körper sofort in den Ruhemodus gerät. Komischerweise tut einem gerade dann etwas weh, wenn man sich nicht bewegt. Das liegt daran, dass der Körper sich an die ständige Bewegung gewöhnt hat und die Ruhe deshalb wie eine Belastung wirkt. Das hält dann eine Zeit an.
Dein beruflicher Alltag ist geprägt vom Sport. Wie wichtig ist das für die Vorbereitung?
Dass ich bis zu 40 Stunden in der Woche mit Sport zu tun habe, wirkt sich bei der Vorbereitung selbstverständlich positiv aus. Und ich muss aus meiner Sicht als Gesundheitsberaterin immer darauf hinweisen, dass solche Distanzen nichts für Ungeübte sind und keineswegs gesund sind. Mir bedeuten diese Märsche trotzdem extrem viel.

Instagram @brinjaweiglein_personaltrainer














